2005-02-22 Frankenpost Naila

BEGEISTERTES FACHPUBLIKUM AUS DEN USA
IN SELBITZ


So einen ungewöhnlichen Besuch gibt es in der Selbitzer Modelleisenbahnwelt Lokland wahrhaftig nicht alle Tage: Eine Gruppe von 14 Händlern und Sammlern von Modelleisenbahnen aus den USA weilte in Deutschland und tauchte im Rahmen ihres umfangreichen Reiseprogramms auch für einige Stunden ins Lokland ein.

SELBITZ – „Das Münchner Oktoberfest, Schloss Neuschwanstein und Lokland in Selbitz – diese drei Sehenswürdigkeiten muss man in Bayern besucht haben“, sagte der Selbitzer Bürgermeister Klaus Adelt schmunzelnd, als er die Gäste aus den Vereinigten Staaten begrüßte.

Die US-Modellbahnexperten mieteten sich für einige Tage im Schloss Hohenstein bei Coburg ein und unternahmen von dort aus zahlreiche Ausflüge: Neben der Nürnberger Spielwarenmesse, einer Modelleisenbahnfabrik in Sonneberg und dem Deutschen Dampflokmuseum in Neuenmarkt-Wirsberg stand dabei eben auch das Selbitzer Lokland auf dem Besichtigungsprogramm.

Der Leiter der US-Besuchergruppe, Reynauld Plaszewski aus Elburn im US-Bundesstaat Illinois, ist der größte Importeur von europäischen Modelleisenbahnen in den Vereinigten Staaten und verkauft alle führenden Marken. „Ich habe 13 000 Kunden in den USA, jeden Monat versende ich 2000 Pakete“, verriet der Großhändler. Unter seinen Begleitern befanden sich Einzelhändler und Sammler aus New York, Chicago, New Jersey und Connecticut.

Mit Foto-Apparaten und Kameras begaben sich seine Begleiter auf Entdeckungstour durchs Lokland. Berthold Rakowitz aus Schauenstein, der Inhaber und Fahrdienstleiter des Loklands, setzte 62 verschiedene Zuggarnituren auf den Haupt- und Nebenstrecken in Fahrt. Der begeisterte Sammler besitzt zwar weit mehr Züge, doch mit 62 Garnituren ist das Lokland-Bahnnetz voll ausgelastet.

„Wir waren 3000 Meilen unterwegs, um das hier zu erleben“, sagte einer der begeisterten Amerikaner. Wie mehrere der Modellbahn-Experten feststellten, fahren die Züge erstaunlich leise durch die Miniaturwelt. Die Experten brauchten nicht lange, um den Grund dafür auszumachen: Rakowitz verwendet eine dünne Schicht Kork als Gleis-Unterlage. Diese sorgt dafür, dass die Züge bei der Fahrt nicht so rattern.

Weil das 1996 eröffnete Lokland noch lange nicht fertig ist, konnte sich das Fachpublikum ein gutes Bild von allen Phasen des Anlagenbaus machen – vom Rohbau bis zum fertigen Fahrbetrieb. Am längsten hielten sich die Experten an den fertigen Abschnitten auf, die sie genauestens begutachteten. Eben dort, wo die Züge nicht nur zwischen Bäumen und Häusern fahren, sondern wo Rakowitz viele andere Details liebevoll nachgestaltet hat: Weinberge, Gärten oder Bauernhöfe, die man sehen und hören kann, denn das Modell spielt auch das Geräusch von gackernden Hühnern ein.

Die Amerikaner zeigten sich auch am Geschehen bei der großen Eisenbahn interessiert. Kopfschüttelnd registrierte einer von ihnen die Geschichte des Diesel-ICEs der Baureihe VT 605, den die Deutsche Bahn nicht mehr auf der Franken-Sachsen-Magistrale einsetzen will, dessen Nachbild im Lokland aber ungestört seine Kreise ziehen darf.

Klaus Adelt berichtete noch vom Projekt im „Devil‘s Valley“ – dem Höllental – , in dem die Bahn wieder aufgebaut werden soll, sowie von den Bemühungen zur Belebung der Strecke Selb-Asch. Dass die Amerikaner auch an der großen Eisenbahn lebhaftes Interesse haben, bewiesen sie am Fenster von Lokland, das einen guten Ausblick auf die Bahnstrecke Hof - Bad Steben bietet.

WERNER ROST