2006-11-20 Frankenpost Naila
Vor fünf Jahren machte die Familie Van der Vliet aus Antwerpen erstmals Urlaub in Weidesgrün. Den Belgiern gefiel es auf Anhieb so gut im Frankenwald, dass sie seitdem jedes Jahr drei Wochen bei Sieglinde und Walter Strobel zu Gast sind.
WEIDESGRÜN – Ein großer Zufall führte die belgische Familie – Vater René Van der Vliet mit seiner Frau Tanija, Tochter Suzy und den Cockerspanier Kazan – in den Frankenwald. Der Familienvater ist ein begeisterter Bahnfan. Wie viele Eisenbahnfreunde interessiert er sich sowohl für die „echte“ Bahn, als auch für Modellanlagen. Als er vor über fünf Jahren eine Ausstellung im westlichen Deutschland besuchte, lagen dort Flyer vom Selbitzer Lokland aus. Das Werbe-Faltblatt weckte das Interesse des Belgiers, diese Modellbahn-Anlage zu besichtigen.
Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, informierte er sich zunächst im Internet, wo das Lokland denn eigentlich genau zu finden ist. Im Web habe er auch ein Foto vom Ferienhaus der Familie Strobel und deren Adresse gefunden. „Wir haben einfach mal angerufen und reserviert“, erinnert er sich an die erste Kontaktaufnahme mit den Strobels.
Damals sei es seine Idee gewesen, von der Ferienwohnung aus möglichst viele Eisenbahn-Ausstellungen zu besuchen. Und so führte ihn sein erster Urlaub in Weidesgrün nicht nur ins Lokland, sondern auch ins Deutsche Dampflokmuseum nach Neuenmarkt sowie zu den Modellanlagen nach Speichersdorf bei Bayreuth, nach Göppingen und ins thüringische Wiehe.
Trotz dieser Ausflüge in die weitere Umgebung haben die Van der Vliets auch den Frankenwald näher kennen und schätzen gelernt. „Wir sahen, wie schön die Natur hier ist, und am Ende der Ferien reservierten wir schon für das nächste Jahr“, sagt Ehefrau Tanija. Dass sie ihren nächsten Urlaub wieder in der Ferienwohnung ihrer Weidesgrüner Gastgeberfamilie verbringen wollten, stand von vorneherein fest. Die Belgier loben besonders die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Strobels, von denen sie viele Tipps für Ausflüge erhalten hätten.
„Im folgenden Jahr haben wir unsere Fahrräder mitgenommen“, erzählt Tanija, denn beim ersten Besuch sei ihnen der schöne Radweg im Selbitztal aufgefallen. René, der ein begeisterter Freizeit-Radsportler ist, erkundete während des zweiten Urlaubs den Frankenwald ausgiebig auf seinem Rennrad. Die Strecken von Weidesgrün nach Helmbrechts sowie talabwärts ins Höllental gefielen ihm besonders gut, schwärmt der Belgier. In einem Punkt übt er aber auch heftige Kritik am Selbitztal-Radweg. „In Naila ist die Strecke schlecht ausgeschildert“, betont der begeisterte Radfahrer. Bei seiner ersten Tour habe er den Weg in Richtung Höllental nur mit Schwierigkeiten gefunden.
Bei ihrem zweiten Aufenthalt lernten die Van der Vliets auch viele Weidesgrüner besser kennen. „Wir sind Dank der Familie Strobel, die uns überall mitgenommen und vorgestellt hat, im ganzen Dorf sehr gut aufgenommen worden“, freut sich Tanija. Die Belgierin hat vor allem die Wiesenfeste in der Umgebung von Weidesgrün in angenehmer Erinnerung. Und auch Tochter Suzy hat im Frankenwald-Dorf Freundschaften geknüpft. „Dass sie mit zu den Ponys durfte, fand sie ganz toll“, erzählt die Mutter. Außerdem habe sich ihre Tochter über die Besuche im Kuh-Stall der Familie Döhler gefreut, in dem es ihr Freude bereitet hätte, bei der Arbeit behilflich zu sein.
Während ihres dritten Urlaubs besuchten die Van der Vliets viele Gartenfeste und besichtigten auch die Bilder-Ausstellung im „Atelier Achtzehn“ in Weidesgrün. Wiederum schlossen die Belgier neue Freundschaften im Frankenwald, diesmal mit der Familie Frankenberger in der Nachbarschaft ihrer Ferienwohnung. „Eine ganz tolle Familie, die machen selbst Musik im Garten und erzählten uns viele Geschichten über den Frankenwald und über die Umgebung von Weidesgrün“, strahlt Tanija.
Auch die gemeinsamen Abende mit ihren Gastgebern seien sehr bereichernd gewesen. Die Strobels hätten ihnen Prospekte über Ausflugsziele gesammelt. „Somit hatten wir eine gute Auswahl und wir konnten uns aussuchen, was wir an den folgenden Tagen unternehmen wollten“, sagt Tanija. „Abends berichteten wir den Strobels, wo wir waren und was wir erlebten, und dann erzählten uns unsere Gastgeber noch einiges mehr dazu“, freut sich die Belgierin.
Seit dem vergangenen Jahr ist auch der Hund Kazan beim Urlaub im Frankenwald mit von der Partie. Mit dem Vierbeiner unternahmen die Belgier viele Wanderungen. „Mittlerweile haben wir schon fünfmal unsere Ferien in Weidesgrün verbracht und wir sind davon überzeugt, dass wir längst noch nicht alles gesehen haben“, betont Tanija nach ihrem jüngsten Urlaub im Frankenwald. Auch heuer haben die Van der Vliets ihre Weidesgrüner Ferienwohnung wieder als Ausgangspunkt für einen größeren Ausflug genutzt.
Dabei folgten die Belgier auf Empfehlung ihrer Gastgeber einem Vorschlag unserer Zeitung: Sie unternahmen eine Tagesfahrt mit der Bahn nach Dresden, die kurz zuvor in der Serie „Die Freizeitregion“ in der Frankenpost beschrieben worden war. Weil das „Schöne-Wochenend-Ticket“ der Bahn für bis zu fünf Personen gültig ist, begleiteten die Strobels ihre Gäste kurzerhand in die sächsische Landeshauptstadt.
„Wir danken der Familie Strobel und dem ganzen Dorf für ihre Gastfreundschaft und für die freundliche Aufnahme“, sagt Tanija, die mit ihrer Familie auch künftig jedes Jahr hier und im Frankenwald Urlaub machen möchte.
Über diesen Vertrauensbeweis der belgischen Urlauber freuen sich natürlich auch die Strobels. „Sie haben zu mir gesagt, dass sie noch mindestens 20 Jahre unsere Feriengäste sein wollen“, schmunzelt Walter Strobel. Wie der Weidesgrüner anmerkt, hat der Urlaub für René Van der Vliet auch einen sehr nützlichen Aspekt. René arbeite in Antwerpen für die Niederlassung eines deutschen Chemie-Konzerns. Daher habe er viel mit deutschen Kunden zu tun und sei daran interessiert, seine Sprach-Kenntnisse zu verbessern.
So wird der Belgier auch in den kommenden Jahren auf dem Rennrad seine Runden durch den Frankenwald drehen und mit der Familie zu Wanderungen in die „schöne Natur“ aufbrechen. Und auch das Lokland, das die Familie vor fünf Jahren hierher gelockt hatte, wird von Zeit zu Zeit wieder besichtigt werden, denn eine gute Modellbahnanlage ist bekanntlich nie fertig, aber stets einen Besuch wert.
WERNER ROST